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Interview mit der Leitung der Grundschule Sorsum


Susanne Dreyer spricht mit den kommissarischen Schulleiterinnen Cornelia Ahl und Karen Volkmann

Susanne Dreyer: Seit über einem Jahr beherrscht die Corona-Pandemie unser Leben. Aber nicht nur im öffentlichen Leben werden Regeln und Vorgaben erlassen, auch die Schulen müssen sich den Einschränkungen beugen. Wenn Sie ein Resümee ziehen müssten, was ergibt sich für das Schulleben der letzten 12 Monate?

Cornelia Ahl: Unser Schulleben hat sich während der Coronazeit leider von einem Tag auf den anderen grundlegend verändert. Fast wöchentlich kamen und kommen neue Verordnungen ins Haus, die wir mit unseren Kindern umsetzen müssen. Masken tragen- Kohorten- Abstand halten sind nur wenige Beispiele. Viele schöne Rituale wie Feiern, Montagsmeetings, gemeinsames Flöten oder Singen, die unsere Schule ausgemachen, fallen nun coronabedingt einfach weg. Traurig ist es, wenn man die geplante Klassenfahrt zum Ponyhof nun schon zum zweiten Mal absagen muss. Gerade für unsere Viertklässler wäre diese Abschiedsaktion schön und bedeutend gewesen.

S. D.: Wie haben Sie den „Lehrbetrieb“ in der Grundschule der veränderten Situation anpassen müssen?

Karen Volkmann: Auch der Unterricht musste neu überdacht und angepasst werden. Seit langem sind wir im Wechselmodell B, das heißt, unsere Kinder kommen gruppenweise nur jeden zweiten Tag zum Präsenzunterricht und arbeiten die übrigen Tage im Homeschooling. Wir versuchen, alle Unterrichtsfächer zu berücksichtigen, in Musik oder Sport funktioniert dies jedoch nur mit großen Einschränkungen. Schöne, kooperative Unterrichtsformen wie Partner- oder Gruppenarbeit oder auch Stuhlkreise sind kaum umzusetzen, weil der Abstand weiterhin eingehalten werden muss.

S. D.: Haben Sie den Eindruck, dass sowohl Schüler_innen als auch Eltern mit dem Angebot gut zurechtkommen?

C. A.: Unsere Kinder, aber besonders auch die Eltern müssen sich oft coronabedingt kurzfristig und flexibel auf neue Veränderungen einstellen. Es erfordert einen enormen Organisationsaufwand für die ganze Familie, wenn plötzlich der Ganztagsbetrieb wegfällt oder die Kinder an vielen Tagen zu Hause lernen müssen. Unsere Kinder und Eltern meistern diesen Kraftakt vorbildlich. Alle Schüler/innen tragen selbstverständlich ihre Masken und erinnern sich gegenseitig an das Einhalten des Abstandes. Trotz Müdigkeit wegen des wechselnden Schulbetriebes, verändertem Sportunterricht oder eingeschränkten Spielmöglichkeiten in den Pausen hören wir nur selten Klagen.

S. D.: Wie schätzen Sie die Kommunikation zwischen Schule und Eltern ein?

K.V.: Dank unserer Kommunikationsapp schul.cloud sind wir gut mit unseren Eltern vernetzt und können wichtige Informationen gezielt und schnell weitergeben. Was uns das Leben sehr schwer macht, ist das fehlende WLAN an unserer Schule, sodass wir Nachrichten während der Schulzeit meist nicht empfangen. Übrigens können wir auch die kürzlich bereitgestellten I pads der Stadt zur Zeit nicht nutzen, da wir sie unter diesen Bedingungen noch nicht einmal installieren können. Das ist sehr schade, denn die Kinder arbeiten gern mit den verschiedenen Lernapps. Wir hoffen auf schnelle Lösungen!!

S. D.: Viele Eltern haben nicht die Möglichkeiten die Kinder in angemessener Form zu unterstützen. Ich denke da z.B. an Eltern mit Migrationshintergrund. Wie sieht in diesen Fällen die Unterstützung aus?

C. A.: Nicht alle Eltern können ihre Kinder gleichermaßen unterstützen und Eltern mit Migrationshintergrund haben es sicher besonders schwer. Wir versuchen dieses Problem abzuschwächen, indem die Kinder Homeschooling- Aufgaben mitbekommen, die ihren individuellen Lernvoraussetzungen entsprechen und selbstständig bearbeitet werden können. Außerdem stehen wir in engem Kontakt zu allen Schülern und Eltern, damit wir einschätzen können, was die Kinder zuhause bewältigen können oder wo genau die Probleme liegen.

S. D.: Ein weiteres Handicap ist die notwendige technische Ausstattung. Wie werden diese Kinder unterstützt?

K. V.: Einer Abfrage zufolge verfügen die allermeisten Familien in Sorsum über ausreichende Technik. Sollte es mal zu Engpässen kommen, z.B. auch bei Familien mit mehreren Kindern, so könnten wir inzwischen auch Leihgeräte zur Verfügung stellen.

S. D.: Mittlerweile sollen die Kinder vor dem Unterricht getestet werden. Das ist sicherlich nicht ganz einfach für die Lehrer_innen. Wie ist das in der GS Sorsum organisiert?

C. A.: Die Testungen der Kinder und schulischen Mitarbeiter müssen zweimal wöchentlich erfolgen. Ungetestete Kinder dürfen wir laut Verfügung nicht in die Schule lassen. Das bedeutet wieder einen hohen Mehraufwand für alle Beteiligte. Schon in den Ferien wurden wir Lehrer mit der Organisation und Planung der Testungen beauftragt. Wir haben Minijobber, die uns bei der Kontrolle am Schuleingang unterstützen. Hinzu kommt, dass die unterschiedlichen Schülergruppen an unterschiedlichen Tagen getestet werden, da müssen Eltern, Kinder und Lehrer gut an einem Strang ziehen, damit das funktioniert.

S. D.: Die Menschen sind bekanntlich alle sehr unterschiedlich, wie sie mit belastenden Situationen umgehen. Was haben Sie beobachtet? Was hat sich verändert? Wie geht es Ihnen und Ihren Kolleg_innen?

K. V.: Die Coronasituation belastet alle Beteiligten gleichermaßen, denn sie erstreckt sich nun schon über einen sehr langen Zeitraum. Das hätten wir anfangs so nicht unbedingt erwartet.
Wir müssen auf viele vertraute Dinge verzichten, die unser Schulleben schön gemacht haben. Man versucht, flexibel zu bleiben, aber wenn man die seit vielen Monaten geschätzte Rituale nicht leben kann, ist man schon sehr traurig. Die zeitliche Mehrbelastung aller Kollegen/innen ist diesbezüglich nicht zu unterschätzen, aber wir versuchen bei allen Herausforderungen, weiterhin positiv und hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken.

S. D.: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für die Grundschule Sorsum und allen Schüler_innen und Lehrer_innen wünschen?

C. A.: Neben dem WLAN 😉 würden wir allen Menschen an unserer Schule ein Stück Normalität zurückwünschen. Zusammenkommen, feiern, spielen und lachen können, ohne irgendwelche Einschränkungen oder Verbote.
Das zurückbekommen, was unsere Schule immer ausgemacht hat, vor allem viele gemeinsame Erlebnisse, die zu schönen Erinnerungen an die Grundschulzeit in Sorsum führen.
Und wir würden uns natürlich wünschen, dass unsere Schule weiterhin coronafrei bleibt.
Hoffen wir das Beste!

S. D.: Das wünschen wir Ihnen und allen anderen natürlich auch.
Vielen Dank für das Interview

   

Über den Autor Ludger Ernst

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