Chronik


Eine Chronik von Sorsum wurde von dem Sorsumer Bürger Willi Haller, Jahrgang 1930, im Jahre 1992 fertig gestellt. Vorrausgegangen war die Beschreibung der Geschichte Sorsums von seinem Bruder Johannes (Jahrgang 1921, gefallen 1942) (siehe auch „Vorwort“).

Ich habe seine schriftlichen Unterlagen digitalisiert, redaktionell bearbeitet und mich dabei an sein Original gehalten, allerdings verkürzt dargestellt. Auch habe ich aus dem Buch von Sylvia Möhle “SORSUM – Von der mittelalterlichen Gemeinde zum Hildesheimer Ortsteil” zitiert und an den entsprechenden Stellen kenntlich gemacht.

Das Kapitel über die Diakonie/Frauenheim in Sorsum habe ich in wesentlichen Teilen aus dem Buch entnommen: “Vom Frauenasyl zur Arbeit für Menschen mit geistiger Behinderung” von Hans-Walter Schmuhl und Ulrike Winkler, erschienen 2014, 130 Jahre Diakonie Himmelsthür

Ludger Ernst, im September 2018


 

Chronik von Sorsum

von Willi Haller *17.04.1930     

Mein Heimatdorf

Ich singe ein Liedchen Dir Sorsum zur Ehr,
Dich Heimatdorf lieb ich je länger je mehr.
Die traulichste Stätte dies Leben mir süßt,
o sei mir mit Herz und mit Mund heut gegrüßt.

In freundlicher Gegend voll Anmut und Reiz,
die wohl man bezeichnet als nordische Schweiz.
Da liegt zwischen Wäldern und Feldern und Höhn,
mein Heimatdorf Sorsum so friedlich, so schön.

Im Mittelpunkt ragt stolz die Kirche empor,
das Ober- und Unterdorf lagert davor.
Im grünen Gewand mit manch‘ farbigem Dach,
durch Wiesen und Felder fließt munter der Bach.

Die liebliche Landschaft und >kreuzbrave Leut<
bezeichnen den Segen, den Sorsum uns beut.
Wo könnt’s in der Welt denn noch besser wohl sein?
Drum will ich von Herzen der Heimat mich freun.

Sollt‘ führen das Schicksal mich je von hier fort,
Du Heimatdorf Sorsum bleibst mir der teuerste Ort.
Und wo ich auch weile, was immer ich tu‘
Mein‘ Sehnsucht und Freude, mein Sorsum bist Du.


Aufnahme von ca.1992

Vorwort

Im Gebiet des Landkreises Hildesheim lebten schon seit der mittleren Altsteinzeit (etwa 30000 v.Chr.) Menschen. Damals waren es Nomaden, Menschengruppen ohne festen Wohnsitz, die den Rentierherden folgten. Die jahreszeitlich bedingten Wanderungen der Rentiere führten zu einem geregelten Aufenthaltswechseln der sie begleitenden Nomaden innerhalb eines bestimmten Bereiches, so auch in unserem Landkreis.

Bei Steinbrucharbeiten in den 1960er Jahren fand man in der Emmerker Forst, in der Nähe des Kirschgartens am Bornweg, eine alte Grabstätte. Die Ausgrabungen ließen Gebeine und Werkzeuge aus der Jungsteinzeit (ca. 6000 v.Chr.) zum Vorschein kommen. Aus dieser Zeit stammt auch die sogenannte “Beusterburg” an der Beuster im Escherberg, die wohl als alte Schutzanlage für Vieh genutzt wurde.

Im Südosten der Gemarkung, zwischen Lerchenberg und Sorsumer Mühle, wurden Überreste von Hügelgräbern gefunden, die aus der mittleren Bronzezeit (ca. 1600 bis 1400 v.Chr.) stammen.

1988 fand man beim Bau der Bahntrasse und der dazugehörigen neuen Wirtschaftswege ein Gräberfeld mit rund siebzig Urnen und Menschenknochen aus der Eisenzeit (um 1000 v.Chr.). Eines der schönsten Fundstücke war eine 13 cm lange, bronzene Gürtelschnalle aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts.

Anmerkung des Autors: bei der Erschließung des Baugebietes “Am Nordfeld” mußten 2017 die Arbeiten unterbrochen werden, weil dort Siedlungsreste gefunden wurden, so z.B. die Fragmente eines ehemaligen Ofens. Deswegen heißt eine Straße dort “An den Lehmöfen”.

Im Nordosten von Sorsum, am Fuße des Finkenberges, hinter den heutigen “Diakonischen Werken”, liegt die sogenannte “Teufelsküche”. Der Name ist aus dem Mittelalter überliefert: hier sollen Frauen, die als “Hexen” gebrandmarkt waren, bei lebendigem Leibe auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden sein.

Über die Gründung des Dorfes Sorsum ist in alten Urkunden – so schreibt mein Bruder Johannes in seinem Reifeprüfungsaufsatz im Jahre 1940 – nichts zu finden. Man nimmt jedoch an, dass es im 9. Jahrhundert nach Chr. bereits bestanden hat.

Nachdem mein Bruder Johannes (geb. am 29. 10. 1921, gefallen am 18.01.1942) die Geschichte Sorsums beschrieben hat, habe ich versucht, diese anhand von gesammelten Zeitungsausschnitten und anderen Quellen (1) fortzusetzen.

Sorsum, im Dezember 1992

Willi Haller

(1) Die Beschreibung der kath. Pfarrkirche sowie des Klostergutshofes aus: Kunstdenkmäler der Provinz Hannover II, Reg.Bez. Hildesheim, Landkreis Hildesheim (1938)

 

Das Wappen von Sorsum

Auf rotem Grund leuchtet golden die heilige Maria Magdalena. Sie trägt in der Hand das Salbgefäß, aus dem sie den heiland kurz vor seinem Tode salbte. Das Kloster St. Maria Magdalena in Hildesheim besaß im Dorfe einen Klosterhof. Wahrscheinlich war er ihm von dem Stifter des Klosters, Bischof Konrad II., gleich bei der Gründung im Jahre 1244 als Ausstattung mitgegeben worden. 1810 wurde das Kloster aufgehoben; der Klosterhof wurde mit drei domkapitularischen Höfen zusammengelegt und der hannöverschen Regierung der Klosterkammer zur Verwaltung überwiesen. Fast sechs Jahrhunderte war er im Besitz des Magdalenen-Klosters gewesen. Oft mag der Klosterpropst ins Dorf gekommen sein, oft zogen wohl auch Sorsumer vom Klosterhof mit beladenen Wagen zum Magdalenen-Kloster noch Hildesheim. Sie sahen an der Klosterpforte das selbe Wappen, das sich ihre Nachkommen als Gemeindewappen erkoren haben mit den Versen:

 

Der Himmel lobt Abends in Gold und Rot.
So leuchtet, Sorsum, dein Schild.
Glänzt, wie die Rose am alten Dom,
Wie der Strahl, der der Kuppel entquillt.
Die heilige Frau mit dem Salbgefäß,
Gemahnt an der Väter Zeit,
Und kündet zugleich: die Liebe zum Herrn
Ist besser als Gold und Geschmeid

Wappen von Sorsum: die heilige Maria Magdalena

 

 

 

 

 

Was alte Urkunden und Chroniken über Sorsum zu berichten haben

von Johannes Haller (Oktober 1940)

“Treu der Väter guten Sitten,
sollst du deinem Hause walten.
Nimmer darf für deine Heimat
Herze und Gemüt erkalten!”

Diese bescheidenen aber doch sinnreichen Verse, die ich einst im Wappenbuche des Landkreises Hildesheim fand, haben mich veranlaßt, einmal die Geschichte meines Heimatdorfes zu erforschen.

An der Südwestecke des Landkreises Hildesheim (Anmerkung: damals gab es noch einen eigenständigen Landkreis Alfeld) schiebt sich wie ein Keil ein Tal nach Süden vor. Im Osten wird es von Finken- und Lerchenberg begrenzt, im Westen vom Escher-Berge. Seit Jahrhunderten nennt man dieses Tal wegen seines fruchtbaren Ackerbodens den “Goldenen Winkel”. Zu ihm rechnet man die Feldmarken von Escherde und Emmerke, auch Himmelssthür wird dazu gezählt, obwohl es etwas abseits liegt. In der Mitte des “Goldenen Winkels” liegt das Dorf Sorsum.

Text von Willi Haller:
Wird heute vom “Güldenen Winkel” gesprochen, so denkt man vor allem an Sorsum. Rund fünf Kilometer westlich von Hildesheim liegt das Dorf in einem malerischen Landschaftswinkel, den schmucke Bergwälder nahe begrenzen. Langgestreckt zieht sich die Straßensiedlung zu beiden Seiten des Baches entlang, der einstmals das Wasserrad der vielbekannten Sorsumer Mühle drehte. Diese Lage hat vermutlich zur Ortsbezeichnung geführt. Sie bedeutet das Heim, die Stätte in der sumpfigen Rinne, wie es die plattdeutsche Redewendung “Sossen in der Sinke” zum Ausdruck bringt.

 

Wie steht es nun mit der Geschichte dieses Dorfes?

Viel ist es gerade nicht, was über Sorsum in alten Urkunden und Chroniken zu finden ist, denn eine zusammenhängende Chronik. wie sie vielleicht Hildesheim und Braunschweig besitzen, hat ein kleines Bauerndorf nicht.
Ich mußte mich deshalb hauptsächlich auf die Urkunden des Hochstiftes Hildesheim, auf die Urkunden des Maria-Magdalenen-Klosters in Hildesheim und die Chronik der Schule in Sorsum stützen, Dies sind die wichtigsten Dokumente, die etwas über die Geschichte meiner Heimat zu berichten wissen.

Über die Gründung ist in alten Urkunden nichts zu finden. Ich nehme jedoch an, dass es im 8. oder 9. Jahrhundert schon bestanden hat, denn das nachbardorf Emmerke wird bereits um die Mitte des 9. Jahrhundert urkundlich erwähnt, obwohl es bedeutend kleiner als Sorsum ist. …Wer weiß ob es nicht schon viele Jahrhunderte älter ist und seine Männer vielleicht schon die Römer mit geschlagen und vertrieben haben? Niemand kann das mehr klarstellen.

Zitat aus der Chronik von Sorsum von Sylvia Möhle:
Die erste urkundliche Erwähnung Sorsums, die uns überliefert ist, stammt aus dem Jahr 1125. Am 22. Mai dieses Jahres stiftete Bischof Berthold in Backenrode das der Jungfrau Maria gewidmete Augustinerkloster Marienrode, stattete es mit Landbesitz und Zehnten aus, stellte es unter seinen Schutz und verlieh ihm das Recht der freien Abtwahl. Unter den Gütern, die das Kloster erhielt, befand sich auch eine Hufe (30 Morgen) Land in Sorsum. In den folgenden Jahrhunderten bis 1500 finden sich weitere an die 70 Urkunden, in denen Sorsum im Zusammenhang mit Besitzerwerb, -tausch oder -schenkung genannt wird.

Im 13.Jahrhundert wird Sorsum in den Urkunden des Maria-Magdalehnen-Klosters in Hildesheim, dass in Sorsum einen Klosterhoff besaß, sehr oft erwähnt. Dieser Hof war den Schwestern von dem Stifter des Klosters, dem berühmten Hildesheimer Bischof Konrad II., gleich bei der Gründung als Ausstattung mitgegeben worden. Eine Urkunde des Klosters aus dem Jahre 1244 berichtet hierüber ungefähr Folgendes:
Konrad, Bischof von Hildesheim, überträgt Propst Bruno und dem Convent des Maria-Magdalenen-Klosters daselbst, die von Albert von Wrestede und von diesem Siegfried von Borsum, Lippold und Dietrich von Stokum Gebrüdern, als Lehsherrn und seitens dieser dem Bischof als Darlehsherrn resignierten 2 1/2 Hufen (ungefähr 75 Morgen) zu Sorsum (Sütherem).

Diese Schenkung war sehr wahrscheinlich die Urzelle des späteren Klostergutes.

das Klostergut heute (links der Taubenturm, rechts das alte Herrenhaus)

hier eine Inschrift über einer alten Toreinfahrt: unten kann man 1763 lesen

 

……..

Die ältesten Namensformen von Sorsum sind Sutterhem (1125), Sutherem (1146), Sudtherem (1250), Suttherem (1259), Sutherem (1265), Zuherem (1288), Zuscerum (1301), Socerum (1329), Zocerem (1330), Zosserum (1350), Sotzerem (1357), Zosseremp (1393), Sosrem (1421), Sosserum (1496), Sorsumb (um 1700).

Im 15. Jahrhundert kommt zum ersten Male die Bezeichnung Sorsum (Sosserum) im goldenen Winkel auf und zwar in folgender Urkunde:

Hildesheim, den 6.6.1496
Berthold, Bischof von Hildesheim, entscheidet einen Streit zwischen dem Maria-Magdalenen-Kloster und Günther, Dietrich und Burkhard Frese über den Fleischzehnten vom Hof des Letzteren zu Sorsum im goldenen Winkel zu Gunsten des Maria-Magdalenen-Klosters….

 

Sorsum muß zu dieser Zeit bereits zum Amte Steuerwald gehört haben, denn viele Anträge. Schuldscheine und Gemeindeurkunden, die nach Steuerwald gehören und sich jetzt im Staatsarchiv in Hannover befinden, deuten darauf hin….

Das Amt Steuerwald
Nach der Hildesheimer Stiftsfehde (1519 – 1523) verblieb lediglich das sog. “kleine Stift” bis 1643 unter der Herrschaft des Bischofs von Hildesheim. Es umfasste Amt und Stadt Peine, die Ämter Steuerwald und Marienburg sowie die Dompropstei, der engere Bereich um Hildesheim war demzufolge um 1900 noch überwiegend katholisch.

….Die Jahreszahlen vieler Dokumente gehen bis kurz nach 1800. In dieser Zeit muß Sorsum vom Amte Steuerwald losgelöst worden sein….

Die Reformation (Anm.: zwischen 1517 und 1648) fand auch in Sorsum besonders unter den in Emmerke wirkenden Prädikanten Eingang, denn Sorsum war von alters her nach Emmerke eingepfarrt. Mit der Anstellung katholischer Seelsorger wandten sich aber auch die Sorsumer dem alten Glauben zu.
Aus dieser Zeit, um 1550, berichtet noch die Chronik des Pfarrers Johann Oldekop folgende Geschichte:
“So um 1550 herum wohnte auf Steuerwald der Herzog Friedrich von Holstein. In einem Gespräch mit Ledeleff Ruscheplate kommen sie auch auf das – Saufen. Jeder wollte

 

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